Nachschlagewerk

U-Boot-Glossar & Fachbegriffe

Die Welt der U-Boote hat ihre eigene Fachsprache — von "Ausblasen" ueber "Kavitation" bis "Sprungschicht". Dieses Glossar erklaert ueber 40 wichtige U-Boot-Begriffe verstaendlich und praezise. Ideal als Nachschlagewerk fuer U-Boot-Enthusiasten, Modellbauer und alle, die mehr ueber die Welt unter Wasser erfahren moechten.

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Fachbegriffe erklaert
A–Z
Alphabetisch sortiert
18
Anfangsbuchstaben

A

AIP (Air-Independent Propulsion)

Aussenluftunabhaengiger Antrieb. Ermoeglicht konventionellen U-Booten laengeres Tauchen ohne Schnorchel. Technologien: Brennstoffzellen, Stirling-Motoren, MESMA.

Anechoische Kacheln

Gummibeschichtung auf der Aussenhuelle, die feindliche Sonar-Pings absorbiert und die akustische Signatur reduziert. Auch "Stealth-Beschichtung" genannt.

ASW (Anti-Submarine Warfare)

U-Boot-Abwehr. Umfasst alle Massnahmen zur Erkennung und Bekaempfung feindlicher U-Boote: Sonarbojen, Schleppsonar, U-Jagd-Hubschrauber, maritime Patrouillenflugzeuge und Torpedos.

Auftauchen (Surfacing)

Maneuver, bei dem ein U-Boot die Ballasttanks mit Druckluft ausblaest und an die Oberflaeche steigt. Kann kontrolliert oder als Notauftauchen (Emergency Blow) erfolgen.

B

Ballasttank

Tanks zwischen innerem und aeusserem Rumpf, die mit Meerwasser geflutet oder mit Druckluft ausgeblasen werden, um den Auftrieb zu steuern. Hauptballasttanks zum Tauchen/Auftauchen, Trimmtanks zur Feinregulierung.

Bersttiefe (Crush Depth)

Die Tiefe, bei der der Druckkoerper dem Wasserdruck nicht mehr standhaelt und zusammenbricht. Liegt typischerweise 50-100% ueber der Prueftiefe. Genaue Werte sind geheim.

BdU (Befehlshaber der U-Boote)

Oberbefehlshaber der deutschen U-Boot-Waffe im Zweiten Weltkrieg. Bekanntester BdU war Karl Doenitz, der spaeter Grossadmiral wurde.

Bugsonar (Bow Sonar)

Im Bug installiertes Sonar-Array, meist als Kugelarray (Spherical Array). Ermoeglicht praezise Peilung und Entfernungsmessung in einem weiten Winkelbereich.

C

CASD (Continuous At Sea Deterrent)

Die ununterbrochene nukleare Abschreckungspatrouille Grossbritanniens. Seit 1969 ist mindestens ein Vanguard-Klasse-SSBN staendig auf See.

D

Decoy (Taeuschkoerper)

Vorrichtung, die von einem U-Boot ausgestossen wird, um feindliche Torpedos oder Sonar abzulenken. Erzeugt akustische oder magnetische Signaturen, die das U-Boot imitieren.

Druckkoerper (Pressure Hull)

Der innere, druckfeste Rumpf, der den Lebensraum der Besatzung umschliesst. Gebaut aus hochfestem Stahl (HY-80/100) oder selten Titan. Bestimmt die maximale Tauchtiefe.

DSRV (Deep Submergence Rescue Vehicle)

Tiefsee-Rettungsfahrzeug, das an die Rettungsluke eines gesunkenen U-Boots andocken und die Besatzung retten kann.

E

ELF (Extremely Low Frequency)

Extrem niedrige Funkfrequenz (3-30 Hz), die tief ins Wasser eindringt. Wird zur Einwegkommunikation mit getauchten U-Booten genutzt. Sehr langsame Datenuebertragung.

F

Fluten (Flooding)

Einlassen von Meerwasser in die Ballasttanks zum Tauchen. Auch ungewollter Wassereinbruch — eine der gefaehrlichsten Situationen auf einem U-Boot.

G

GIUK-Gap

Strategische Meerenge zwischen Groenland, Island und UK. Im Kalten Krieg der wichtigste Engpass fuer sowjetische U-Boote. Intensiv mit SOSUS ueberwacht.

H

Horchraum (Sonar Room)

Raum, in dem die Sonar-Operatoren alle akustischen Signale ueberwachen. Heute mit Computerdisplays und automatischen Klassifizierungssystemen.

K

Kavitation

Bildung und Zusammenfall von Dampfblasen am Propeller bei hoher Drehzahl. Erzeugt verraeterische Geraeusche. Moderne Pump-Jet-Antriebe reduzieren Kavitation.

Kommandoturm (Sail / Conning Tower)

Die aufragende Struktur auf dem Rumpf, die Periskope, Antennen, Schnorchel und den Zugang zum Inneren enthaelt. Bei modernen U-Booten auch "Sail" oder "Fin" genannt.

Konvoi

Gruppe von Handelsschiffen unter Geleitschutz. Im Zweiten Weltkrieg die wichtigste Abwehrmassnahme gegen U-Boot-Angriffe.

M

MESMA

Franzoesisches AIP-System (Module dEnergie Sous-Marine Autonome), das Ethanol und fluessigen Sauerstoff in einer geschlossenen Dampfturbine verbrennt.

N

Negativtank

Spezieller Ballasttank fuer Schnelltauchmaneuver (Crash Dive). Wird schnell geflutet, um negatives Auftriebsverhalten zu erzeugen.

P

Periskop

Optisches Beobachtungsgeraet zur Oberflaechenbeobachtung waehrend des Tauchens. Moderne U-Boote ersetzen es durch optoelektronische Maste (Photonics Mast).

Prueftiefe (Test Depth)

Vom Hersteller garantierte maximale Betriebstiefe. U-Boote operieren selten an der Prueftiefe. Die Bersttiefe liegt deutlich tiefer.

Pump-Jet

Ummantelter Antrieb, bei dem Wasser durch einen Kanal beschleunigt wird. Deutlich leiser als Propeller, reduziert Kavitation. Standard bei modernen U-Booten.

R

Rudeltaktik (Wolfpack)

Koordinierter Angriff mehrerer U-Boote auf einen Geleitzug. Von Karl Doenitz im WWII perfektioniert. Ein U-Boot sichtete, meldete per Funk, weitere Boote griffen an.

S

Schleppsonar (Towed Array Sonar)

Langes Sonar-Array (bis zu hunderten Metern), das hinter dem U-Boot hergeschleppt wird. Grosse Reichweite, eliminiert Eigengeraeusche.

Schnelltauchen (Crash Dive)

Notfall-Tauchmaneuver: Alle Ballasttanks gleichzeitig fluten, Tiefenruder auf maximalen Abstieg. Abtauchen in 30-60 Sekunden.

Schnorchel

Rohr zum Betrieb der Dieselmotoren knapp unter der Oberflaeche. Im WWII von den Niederlaendern entwickelt und von Deutschland uebernommen.

SLBM (Submarine-Launched Ballistic Missile)

Von U-Booten gestartete ballistische Rakete. Kernkomponente der nuklearen Zweitschlagfaehigkeit. Beispiele: Trident II, Bulava, M51.

Sonar (Sound Navigation and Ranging)

System zur Erkennung und Ortung von Objekten unter Wasser mittels Schallwellen. Passives Sonar lauscht, aktives Sonar sendet Impulse und wertet Echos aus.

Sonarbojen (Sonobuoys)

Von Flugzeugen ins Wasser geworfene akustische Sensoren zur U-Boot-Jagd. Passive lauschen, aktive senden Pings. Daten per Funk an Suchflugzeug.

SOSUS (Sound Surveillance System)

US-Netzwerk von Unterwasser-Hydrophonen auf dem Atlantik- und Pazifikboden zur Erkennung sowjetischer U-Boote im Kalten Krieg.

Sprungschicht (Thermocline)

Grenzschicht im Ozean mit schneller Temperaturabnahme. Schall wird gebrochen/reflektiert — U-Boote nutzen dies zum Verstecken vor Sonar.

SSBN (Ship Submersible Ballistic Nuclear)

Atomgetriebenes U-Boot mit ballistischen Raketen. Strategische Abschreckungswaffe. Beispiele: Ohio, Vanguard, Borei, Triomphant.

SSN (Ship Submersible Nuclear)

Atomgetriebenes Jagd-U-Boot. Aufgaben: U-Boot-Jagd, Aufklaerung, Spezialkraefteoperationen, Praezisionsschlaege. Beispiele: Virginia, Astute.

T

Tiefenruder (Diving Planes)

Horizontale Steuerflaechen am Bug und/oder Heck, die den Auf- und Abstiegswinkel steuern.

Torpedo

Selbstangetriebene Unterwasserwaffe. Moderne Torpedos nutzen Drahtlenkung, aktives/passives Sonar. Reichweiten bis 50 km, Geschwindigkeiten bis 50 Knoten. Beispiele: Mk 48, DM2A4.

Trimm

Gewichtsverteilung und Schwimmlage eines U-Boots. Durch Umpumpen von Wasser zwischen Trimmtanks wird das Boot horizontal ausbalanciert.

V

VLF (Very Low Frequency)

Sehr niedrige Funkfrequenz (3-30 kHz), die einige Meter ins Wasser eindringt. Wichtigster Kommunikationskanal fuer getauchte U-Boote ueber Schleppantenne.

W

Wasserbombe (Depth Charge)

Explosive Unterwasserwaffe gegen U-Boote, detoniert in bestimmter Tiefe. Im WWI/WWII Hauptwaffe der U-Boot-Abwehr. Heute durch Torpedos ersetzt.

Z

Zentrale (Control Room)

Kommandozentrum des U-Boots: Navigation, Tiefensteuerung, Waffeneinsatz, Sonar-Auswertung und Kommunikation. Das "Gehirn" des U-Boots.

Haeufig gestellte Fragen

Was ist der Unterschied zwischen einem U-Boot und einem Tauchboot?

Ein U-Boot (Unterseeboot) ist ein vollwertiges, autonom operierendes Schiff fuer laengere Unterwasserfahrten. Ein Tauchboot (Submersible) ist ein kleineres Fahrzeug, meist von einem Mutterschiff abhaengig, fuer kuerzere Tauchgaenge. U-Boote koennen selbststaendig von Hafen zu Hafen fahren.

Was bedeutet SSBN, SSN und SSK?

SSBN steht fuer Ship Submersible Ballistic Nuclear — ein Atom-U-Boot mit ballistischen Raketen. SSN steht fuer Ship Submersible Nuclear — ein atomgetriebenes Jagd-U-Boot. SSK steht fuer Ship Submersible Killer — ein konventionelles Jagd-U-Boot.

Was ist der Unterschied zwischen aktivem und passivem Sonar?

Aktives Sonar sendet einen Schallimpuls (Ping) aus und misst das Echo — verraet aber die eigene Position. Passives Sonar lauscht nur auf Geraeusche anderer Schiffe, ohne selbst Schall auszusenden. Militaer-U-Boote nutzen fast ausschliesslich passives Sonar.

Was ist AIP (aussenluftunabhaengiger Antrieb)?

AIP ermoeglicht konventionellen U-Booten laengeres Tauchen ohne Schnorchel. Technologien: Brennstoffzellen (Deutschland), Stirling-Motoren (Schweden), MESMA (Frankreich). AIP-U-Boote koennen bis zu drei Wochen getaucht bleiben.